NINETEEN SIXTY-EIGHT     2025

Hat denn das historisch bedeutsame 1968 noch irgendetwas mit unserer Zeit zu tun? Und wenn ja, warum sollte man ausgerechnet diesem Jahr ein Musiktheater widmen?

Das sind berechtigte Fragen, die sich nicht nur die Generation Z stellen könnte, sondern mittlerweile sogar der ein oder andere Boomer. Antworten auf die Eingangsfragen können jedenfalls – so viel steht schon einmal fest – von allen Generationen am 5. September 2025 gefunden werden. Denn an diesem Tag wird die Premiere des gleichnamigen Stückes sein, in dem zum Beispiel Helene Volk die junge Studentin Louise spielt.

Louise ist über beide Ohren in Robert (Béla Albrecht) verliebt, für den einfach alles politisch ist und der nicht nur von marxistischer Theorie, sondern auch von der Einteilung der Welt in Gut und Böse überzeugt ist. Dass er dabei selbst nicht unbedingt vom Wissen zum Handeln kommt, zeigt sich, als ihn Louises Befürchtungen, von ihm schwanger zu sein, wenig berühren und er sich harsch von ihr abwendet. Roberts Doppelmoral durchschaut und empört Louises Freundin Emma (dargestellt von Mia Zwecker), die sein Verhalten in einer ausdrucksstarken Ballade anprangert: How can people have no feelings? How can they ignore their friend – easy to be proud, easy to say no/Especially people who care about strangers, who care about evil and social injustice!

1968 spielt in den USA zur Zeit der Hippiebewegung und des Vietnamkriegs. Junge Menschen unterschiedlicher Herkunft hadern mit ihrem zugewiesenen Platz im Leben. So auch Georgina (Mercedes Kruse), die sich jenseits des vorgegebenen Weges einen Platz außerhalb der Gesellschaft und ihrer starren Normen gesucht hat. Doch auf der Suche nach privatem Glück, das insbesondere darin besteht, sich zusammen mit anderen Hippies dem Drogenrausch hinzugeben und allem, was kommt, mit einem ironischen Lächeln zu begegnen, müssen sich selbst die Aussteiger den drängenden gesellschaftspolitischen Konflikten stellen. Wie diese mit dem krisenbelasteten Jahr 2025 korrespondieren, zeigen collagenhafte Einwürfe aus aktuellen Diskursen, die sich mit den Liedern und Melodien der Hippiezeit montagehaft verbinden.

 

Als sich schließlich Claude aus Oklahoma (Fabian Eckhardt) gegen das Verbrennen des Einberufungsbefehls entscheidet und für den Dienst an der Waffe, verteidigt gerade Georgina seine Entscheidung, auch wenn die junge Rebellin diese weder rational noch emotional nachvollziehen kann. Denn sie spürt, dass es keine einfachen Lösungen in schwierigen Zeiten gibt und dass selbst gut gemeinter Rat in die Irre führen kann.

Die anfängliche Leichtigkeit und der beschwingte Optimismus des Stückes verdüstern sich im Laufe der Handlung: So verdichten sich die Handlungsstränge zu einem Ende, das die Herausforderungen des Heranwachsens in Zeiten von Unfrieden und politischer Polarisierung abbildet, gezeigt von eben der Generation, die die Folgen heutiger politischer Entscheidungen tragen wird. „Where do I go?“, die musikalische Schlussnummer, verbindet somit leitmotivisch die Konflikte der Jugend um ‘68 mit den nicht minder schweren Krisen unserer Gegenwart. 

(Dr. Diana Tappen-Scheuermann)

 

CAST/ORCHESTER

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